Vorstand
Sandra Neitzke
Seit 2006 lebe ich mehrere Monate im Jahr in der Mongolei. Bei Praktikas in Kinderprojekten lernte ich sehr viel. In der Schweiz arbeite ich jedes Jahr von Oktober bis April bei der Eventagentur Explora als Sachbearbeiterin.
Ich teile und helfe gerne. Mit der Zeit lernt man immer mehr Menschen kennen, die Hilfe und Unterstützung nötig haben und dankbar sind dafür. Allein meine Finanzen reichen dafür nicht mehr aus. Darum bin ich dankbar für jede weitere Hilfe von Menschen die gerne etwas abgeben können und wollen.
Die Zeit in der Mongolei hat mir schon viel gelehrt und stellt mich immer noch vor Herausforderungen. Besonders in Punkto Geduld, Flexibilität, Gelassenheit und Gemeinschaftssinn konnte ich viel lernen und lerne immer noch dazu.
Die Mongolei ist zu meiner Heimat geworden und ich wünsche mir, dass mein Sohn Philipp, der am 31.05.2009 geboren wurde, hier gross und stark wird.
Ich möchte mithelfen eine glückliche und zufriedene Zukunft für Kinder, Frauen und Männern zu ermöglichen. Menschen helfen, so dass sie ein selbstbestimmtes, gutes Leben führen können.
Mein Sonnenschein Philipp!
Luzerner Rundschau - Interview - Ausgabe vom 10.12.2009
LUZERN Interview mit Sandra Neitzke vom Verein «Freundeskreis Mongolei»
Sandra Neitzke, wann waren Sie das letzte Mal in der Mongolei?
Dieses Jahr von Mitte Juli bis Ende September. 2009 bin ich nur zweieinhalb Monate geblieben aus Rücksicht auf meinen sechs Monate alten Sohn Philipp. Seit 2006 verbringe ich normalerweise
regelmässig die Monate von April bis September und den ganzen Dezember in der Mongolei. Für nächstes Jahr habe ich dies bereits auch wieder geplant.
Wie kamen Sie dazu, sich ausgerechnet für Menschen in der Mongolei zu engagieren?
Ich wollte mich schon immer
für ein Kinderprojekt engagieren. Anfangs habe ich noch geschwankt zwischen Peru und der Mongolei. Nachdem ich mich aber näher mit der Mongolei beschäftigt, Videos vom Land angeschaut und
einheimische Musik gehört habe und im Jahr 2006 für zwei Kinderprojekte dort tätig war, bin ich in diesem Land hängen geblieben. Bis Oktober 2008 habe ich mich auch regelmässig in lokalen
Projekten engagiert. Seit 2009 arbeite ich nun vollumfänglich für meinen Verein.
Was war Ihre Motivation den Verein «Freundeskreis Mongolei» zu gründen?
Ich teile und helfe gerne. Diese Hilfe
soll gezielt und sinnvoll sein. Deshalb unterstützen wir vor allem allein erziehende Mütter, kranke und behinderte Kinder und Erwachsene. Anfangs habe ich vor allem Kleider oder auch mal einen
Computer, den ich geschenkt bekommen habe, in die Mongolei geschickt. Mittlerweile finanzieren wir auch Ausbildungen und verteilen Sachspenden wie Schulsachen oder Heizmaterial. Ein guter
Kollege, ein Mongole, arbeitet eng mit mir zusammen. Ohne Leute vor Ort, die übersetzen und das Ganze managen, ginge es nicht. Ich lebe selber sechs Monate im Jahr in einem Vorort der Hauptstadt
Ulan Bator, in Gatschurt, das rund 6800 Einwohner zählt. In den Sommermonaten wie viele Mongolen im typischen Filzzelt, dem Ger. Im Winter, wenn es gut und gerne bis minus 50 Grad werden
kann, miete ich eine kleine Wohnung.
Was macht der Verein genau und wie viele Mitglieder umfasst er?
Die Vereinszahl ist übersichtlich. Ich bin
Gründerin und trage die Verantwortung für den Verein und werde vor allem von meiner Familie,Freunden und Bekannten in meiner Arbeit unterstützt. Unser Ziel ist es,
mongolische Familien soweit zu unterstützen, dass sie autonom leben können.
Wer profitiert von Ihrer Hilfe?
Momentan helfen wir rund 20 Familien mit Kleidung, Schuhen und Lebensmitteln.
Drei Familien erhalten zusätzlich auch finanzielle Unterstützung. Seit 1. September vermitteln wir zudem Patenschaften, die eine gezielte Hilfe im Einzelfall möglich machen. Momentan sind
wir daran, in einem Randbezirk von Ulan Bator, in Charat, einen Abenteuerspielplatz zu bauen mit Sandkasten und Spielgeräten. Bislang konnten sich die Kinder hier lediglich auf der Strasse
aufhalten. Wir konzentrieren uns mit unserer Hilfe ganz bewusst auf Charat und Gatschurt. Hier leben 60 Prozent der Einwohner unter der Armutsgrenze. Ganze Familien müssen mit 100 000 Tugrig,
das sind ungefähr 80 Franken, im Monat auskommen. Viele verdienen ihren Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten wie Flaschen sammeln. Oder sie kaufen Gemüse und anderes auf dem Grossmarkt ein
und verkaufen es auf kleineren Märkten wieder. Alkohol ist ein weit verbreitetes Problem: Viele Arbeitslose greifen zur Flasche.
Wie sind Sie in das Leben der Einheimischen integriert?
Mittlerweile habe ich viele Freunde, sowohl Mongolen
wie auch Ausländer, die hier wohnen. Die Mongolen sind zwar gastfreundlich, um jedoch ihre Herzen zu gewinnen, braucht es eine gewisse Zeit. Sie sind stolz auf ihre Nationalität und die Familie
geht ihnen über alles. Innerhalb des Familienverbundes hilft man sich gegenseitig enorm. Auch auf gute Schulbildung legen Mongolen grossen Wert Das Schulsystem ist enorm straff und streng
strukturiert. Weil aber eine gute Ausbildung Geld kostet, können es sich viele Familien nicht leisten, ihre Kinder auf weiterführendeSchulen zu schicken, auch wenn sie
gute Noten haben. Die wirtschaftliche Situation ist schlecht, gleichzeitig ist das Leben hier teuer. Man bekommt immer weniger fürs Geld und die Menschen können sich auch immer weniger
leisten.
Was gefällt am Land?
Ich liebe die Weite, diese grenzenlose Freiheit in der Mongolei. Die hügelige mit den Wiesen und die dicht bewaldete Landschaft im Norden. Das Leben im Ger, mit dem Feuerofen in der Mitte ist
zwar einfach, aber sehr gemütlich. Trotz der Vertrautheit mittlerweile, gibt es noch viel punkto Tradition und Umgangsformen zu lernen. Das ist immer noch spannend und eine Herausforderung.
Können Sie sich vorstellen für immer in der Mongolei zu wohnen?
AufjedenFall.DasistmeinWunsch, aber erst in ein
paar Jahren. Momentan bleibe ich in der Schweiz, um Geld für meinen Lebensunterhalt zu verdienen und natürlich ganz wichtig, die Vereinsarbeit für den Freundeskreis Mongolei hier vor Ort zu
managen.
Interview und Foto: Jeannette Voltz
Mandy Neitzke
Meine Schwester Mandy hilft mir mit Rat und Tat.
Ihr Herz schlägt für Tibet und eines Tages wird Sie auch einmal den Dalai Lama persönlich gegenüberstehen.
