Armut

Fast 1 Million der 2,7 Millionen Mongolen leben in ärmsten Verhältnissen. Offiziell liegt die Arbeitslosigkeit bei gerade mal 3 bis 4 Prozent, tatsächlich sind es über 25 Prozent. Viele verdienen ihren Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs, Saisonarbeit und Schwarzarbeit. Das durchschnittliche Monatseinkommen liegt bei etwa 300 000 Tugrik, das entspricht derzeit 225 CHF/160 Euro. Die Armutsgrenze liegt bei einem Einkommen pro Familie bei 100000 Tugrik, ungefähr 75 CHF/55 Euro. In den letzten Jahren sind alle Preise stark gestiegen. Die Preise schwanken sehr stark je nach Jahreszeit, Verfügbarkeit und festlichen Anlässen. So steigen die Preise zum mongolischen Neujahrsfest um zum Teil 50 Prozent. Geht man von einer Familie aus die gerade so an der Armutsgrenze lebt müssen sie für ein Brot fast 1 Prozent von ihrem Einkommen ausgeben, für 1 kg Fleisch 3-4 Prozent. Die meisten Familien leben in bescheidenen Verhältnisen. Wasser musst meist mit Kanistern vom Brunnen geholt werden, geheizt wird mit gesammelten Dung oder Fallholz aus den Wäldern oder teuer erstandener Kohle oder Holz aus einfachsten Metallöfen. Wer es sich leisten kann hat Stromanschluss, einen Fernseher und ein Handy. Seit einigen Jahren wird Kindergeld vom Staat für die Kinder bezahlt. So erhält man pro Monat 3000 Tugrik, 2,20 CHF/ 1,60 Euro, und vierteljährlich 25 000 Tugrik, fast 19 CHF/ 13 Euro. Gerade Waisen, Alleinstehende mit ihren Kindern, Behinderte, Rentner/innen und Haushalte mit mehr als 4 Kindern und Kleinstviehhalter in abgelegenen Gebieten sind am meisten armutsgefährdet.

Die Mongolen haben gelernt zu kämpfen und haben überlebensstrategien entwickelt, die leider nicht immer sehr sozial sind. Der Familiensinn ist gross und innerhalb der Familie und Freunden wird unterstützt und geholfen. Doch ausserhalb dieser Strukturen gilt das Gesetz des Stärkeren und des Schlaueren und Korrupteren.

Durch die sehr trockenen Sommer und die extrem kalten Winter verlieren viele Nomaden auf dem Land einen grossen Teil ihres Viehbestandes. Dies und auch die Illusion von einem modernen Leben liess und lässt viele Mongolen in die Städte, hauptsächlich in die Hauptstadt Ulanbaatar abwandern. Mittlerweile leben in und um Ulanbaatar mehr als eine Million Menschen. Weniger als die Hälfte der Mongolen leben heute noch als Nomaden.

Die Mongolei

 

Die Mongolei ist ein sehr dünn besiedeltes Land in Zentralasien mit Steppen, Hochgebirgen und Wüstenanteilen. Die mittlere Landeshöhe liegt bei 1500 m üM. Das trockene Kontinentalklima beschert durchschnittliche Tagestemperaturen von + 20 Grad im Sommer und -25 Grad im Winter. Im Winter kann es bis zu -50 Grad kalt werden.

Von den 2,7 Millionen Landeseinwohnern leben ca. eine Million in der Hauptstadt Ulanbaator. Weniger als die Hälfte der Mongolen leben heute noch als Nomaden. Durch niederschlagsarme Jahre, Überweidung, zunehmende Landwirtschaft und Entwaldung sind weite Teile des Landes von Wüstenbildung betroffen. In den Städten verursachen Kohlekraftwerke, die Feuerung mit Holz und Kohle in einfachen Öfen ohne Rauchgasreiniger, sowie viele alte Autos eine sehr hohe Luftverschmutzung.

Schulbildung ist für die Mongolen sehr wichtig. Die Analphabetenquote ist sehr gering. Ehrungen mit Urkunden und Medalien machen stolz.

Hauptwirtschaftszweige sind die Viehzucht, hauptsächlich mit Ziegen, Schafen, Pferden, Yaks und Kamelen, und der Bergbau, mit den Bodenschätzen wie Kohle, Kupfer, Gold. Die Mongolei ist im hohen Masse wirtschaftlich von den Nachbarländern Russland und China abhängig.

persönlicher Reportage von Sandra Neitzke über den Verein Freundeskreis Mongolei

 

Juni 2010

 

Ich bin zurück in der Mongolei. Wie jedes Jahr, seit 2006, möchte ich wieder mehrere Monate hier leben. Mein 11 Monate alter Sohn Philipp, der auch schon letzten Sommer mit mir in der Mongolei war, ist natürlich mit dabei. Er hat den Flug gut überstanden und währenddessen viel geschlafen.
Schnell gewöhne ich mich wieder an den Strassenverkehr in Ulanbaator, der Hauptstadt der Mongolei, wobei man als Autofahrer nicht nur auf die ständig die Spur wechselnden Fahrzeuge, sondern auch auf die unzähligen Schlaglöcher achten muss. Ich gewöhne mich mehr oder weniger wieder an die Staubwolken, ja geradezu Dreckwolken die umherwirbeln und in minutenschnelle alles mit einem Staubfilm überziehen. Ich krame mein all zu schlechtes mongolisch aus dem Kopf hervor und nehme mir, wie so oft vor, besser mongolisch zu lernen. Eine Sprache, die so weit entfernt vom Deutschen und so unendlich kompliziert ist. Ich freue mich auf den Milchtee, einem gesalzenen Kräutertee mit Milch, auf die Ausflüge in die unendlich scheinende Weite und die Sommertage am Fluss Tuul. Gespannt bin ich, was mich diesmal alles erwartet und wie viel Geduldsproben ich bestehen muss. Denn eines was ich besonders gelernt habe in der Mongolei ist warten und abwarten.
In den ersten Tagen besuche ich meine Freunde und Bekannten und frische die Verbindungen neu auf. Ein grosses Hallo gibt es mit den Kindern des Kinderheimes Manna Ger. Von 2006 bis 2008, damals noch die Beste Kinderhilfe Mongolei, sorgte und half ich während eines Praktika für die zumeist Waisenkinder mit. Die Kinder sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich ihnen auch. Sie umarmen mich und erzählen mir wie sehr sie mich vermisst haben. Ich bin glücklich wieder hier zu sein. Einige von ihnen betteln gleich wieder um Süssigkeiten und Spielzeug. Leider sind sie es so gewohnt. Jeder Besucher bringt immer etwas mit, meistens sind es Süssigkeiten. Von Ausländern, in diesem Fall von mir, erwarten sie aber mehr. Sie wissen, dass ich oft grössere Geschenke mache. Ich verspreche, ihnen zum offiziellen mongolischen Kindertag am 1.06. die gewünschten Wasserpistolen, Spielzeughandys und Plüschtiere zu schenken. Dabei wird es aber nicht bleiben, denn es sind dringend neue Kleidungsstücke nötig.
Die Mongolei ist kein billiges Land. Im Verhältnis zum Lohn sind die Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände teuer. Im Winter wird warme Kleidung und Heizmaterial benötigt und die Schul- und Ausbildung kostet auch so einiges. Die Schule ist zwar gratis, aber das benötigte Schulmaterial, die obligatorischen Kosten für begehrte Medaillen und Urkunden, für Pausenmahlzeiten, Geschenk für die Lehrer und Schulfeste summieren sich jeden Monat beträchtlich. Ausbildungen müssen oft bezahlt werden. Es gibt praktische Ausbildungen von 6 bis 10 Wochen, aber auch schulische Ausbildungen von 2 Jahren Dauer.
Bei Batro, einem fünfzehnjährigen leukämiekranken Jungen und seiner Familie verbringe ich die ersten Tage. Ich lasse mich mit mongolischem Essen, vor allem mit viel Fleisch und Milchtee verwöhnen. Die 7 bzw. 6 Stunden Zeitunterschied, die Mongolen stellen die Uhr nicht auf Sommer- und Winterzeit um, vergesse ich einfach und passe mich sofort dem Tag- und Nachtrhythmus an, das funktioniert bestens. Batro ist seit 2007 in ärztlicher Behandlung. Er nimmt täglich Medikamente und einmal in der Woche fährt er mit seiner Mutter Gile in das 30 km entfernte erste Staatskrankenhaus nach Ulanbaator zur Behandlung. Die starken Medikamente haben viele Nebenwirkungen und greifen noch gesunde Organe an. Oft ist ihm übel und es geht im schlecht. Leider kann er deswegen nicht zur Schule gehen. Ich bewundere ihn und seine Familie. Batro hat vier ältere Schwestern. Die Familie hält zusammen und sie stecken alle voller Energie und Lebensmut. Jeder hilft mit bei der Finanzierung der teuren Medikamente und der Behandlungskosten. Monatlich benötigen Sie 250 000 bis 800 000 Tugrik - ca. 220 bis 650 CHF. Wenn man weiss, das ein normaler Monatslohn für Festangestellte bei 260 000 Tugrik (ca. 230 CHF) liegt, ist das sehr, sehr viel Geld. Seit Herbst 2009 hilft der Schweizer Verein Freundeskreis Mongolei monatlich mit einem finanziellen Zuschuss. Der Verein Freundeskreis Mongolei wurde von mir im Oktober 2008 gegründet um ärmsten Menschen, vor allem Kindern und Jugendlichen zu helfen und zu unterstützen.
Im Sommer 2008 fing ich an mit privaten Mitteln Familien zu helfen. Ich sah die Armut und die schlechten Lebensumstände vieler Familien. Ich beschloss mein in der Schweiz gut verdienten Geldes mit diesen Menschen teilen. Meiner Ansicht nach habe ich das Privileg mit meiner Arbeit in einem reichen Land verhältnismässig viel Geld zu verdienen und das wollte und will ich nicht nur für mich alleine ausgeben. So lernte ich Altenzezeg kennen. Sie ist gelernte Krankenschwester, Mutter von einem Sohn und drei Töchtern zwischen 17 und 28 Jahren alt. Ihr Mann ist schon länger verstorben. 2007 erlitt sie einen Schlaganfall. Seitdem ist Altenzezeg arbeitsunfähig und hat gesundheitliche Probleme. Sie wohnt in einem kleinen alten Haus mit ihrem Sohn und den 2 jüngeren Töchtern. Die älteste Tochter lebt mit ihrem Mann und ihren 2 Kindern auf dem gleichen Grundstück. Die ganze Familie hält zusammen und gemeinsam kämpfen sie ums Überleben. Die mittlere Tochter Softirden ist sehr gut in der Schule und bestand die schwierige Aufnahmeprüfung auf einem Wirtschaftsinstitut in Ulanbaator. Doch es mangelte an der jährlichen Studiengebühr von 700 000 Tugrik (580 CHF). Da sprang ich ein. Ich schenkte das Geld und ermöglichte so das Studium. Immer wieder besuche ich Altenzezeg und ihre Kinder, trinke eine Tasse Tee, esse etwas Selbstgebackenes und rede mit ihnen über das Neuste. Natürlich bringe ich jedes Mal auch ein paar Geschenke mit, wie Schulmaterial, Kleidung, Süssigkeiten und einen grossen Sack Mehl. Das Mehl wird für Nudeln, Brot und Gebäck täglich verwendet. Ich begann auch den querschnittsgelähmten Gantulga, der leider mittlerweile verstorben ist, und seiner allein erziehenden Schwester Bolorma mit ihren zwei Kindern, genauso wie der Grossmutter Saniter mit ihrer allein erziehenden Tochter und ihren drei Kindern zu helfen.
Ich merkte, dass ich noch vielen anderen Menschen helfen könnte und sollte. Daher entschloss ich mich einen gemeinnützigen Verein zu gründen. Das Ziel ist es, allein erziehende Mütter / Väter oder Grosseltern die auf ihre Enkelkinder achten, sowie kranke und behinderte Menschen zu unterstützen. Ein Schwerpunkt ist die Ausbildungsfinanzierung. Spiel, Spass und Sport ist das Motto für das Spielplatzprojekt. Es sollen Spiel- und Sportplätze entstehen und Kinderfeste den Gemeinschaftssinn fördern.
Die Arbeitslosenquote liegt offiziell bei 3 bis 4 Prozent, tatsächlich sind es über 25 Prozent. Viele verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs (wie Autoputzer, private Taxifahrer, Telefondienstanbieter auf der Strasse etc.), Saisonarbeit und Schwarzarbeit. Es wird gehandelt und versucht billig eingekaufte Ware teurer weiter zu verkaufen. Flaschen und Dosen bringen an Sammelstellen einige Tugrik ein und werden von den Ärmsten, oft auch Kindern, von der Strasse eingesammelt. Mehr als 35 Prozent der Mongolen leben unter der Armutsgrenze. Diese liegt bei einem Familieneinkommen von 100 000 Tugrik (80 CHF). Die Ärmsten der Stadt leben in Hauseingängen, unter Treppen, in den Fernwärmeschächten oder finden vorübergehend Unterschlupf bei Verwandten. Mittlerweile leben mehr als die Hälfte der Mongolen in Städten. Die Innenstadt der Hauptstadt ist westlich geprägt und immer mehr moderne mehrstöckige Häuser bilden das Stadtbild. Jedoch je weiter man zum Stadtrand kommt, werden russische Wohnblockbauten von einfachen Häusern und Gervierteln abgelöst.
Ich versuche die mongolische Tradition und die vielen Verhaltensregeln zu lernen und zu befolgen. Man lernt nur langsam und oft aus Fehlern, denn meist wird einem nicht erklärt, wie es richtig ist und was man tut und was man besser nicht tun sollte. Man lernt die gereichte Tasse Tee mit beiden Händen oder mit einer Hand, wobei die freie Hand den Ellenbogen der anderen Hand hält, zu nehmen. Man lernt, das es unhöflich ist älteren Männern, wenn man sitzt die Fusssohlen entgegenzustrecken. Man muss erfahren, das sobald ein Ausländer dazukommt oft die Preise nach oben schnellen und man lieber seinem mongolischen Begleiter verhandeln lässt und im Hintergrund bleibt, anstatt wie gewohnt, als gestandene Frau alles selber zu managen und zu regeln. Dies gilt auch für die unzähligen Dokumente und Stempel und Unterschriften die man für behördliche Angelegenheit braucht.
Im Dezember 2008 war ich für einen Monat wieder einmal in der Mongolei. Mit meinen besten Kollegen Nyamaa und Askar eröffneten wir unseren Spielplatz im Randstadtviertel Charhat. Wir hatten aus einem sumpfigen, müllhaltigen Platz, mit viel fleissiger Handarbeit von Jugendlichen, einen schönen, ebenen Platz geschaffen und starteten mit einer Schlittschuhbahn. Zur Eröffnung luden wir den Bürgermeister und die 100 ärmsten Familien des Stadtteils ein. Den Kindern dieser Familien schenkten wir Kleidung und Obst. Die Kleidung kauften wir auf dem Grossmarkt zu 100 kg Bündel geschnürte Secondhand-Ware aus Korea ein. Mehr als 90 Prozent der Kleidung ist erfahrungsgemäss gut. Die 100 Luftballons mit denen wir den Platz geschmückt hatten, waren nach einer halben Stunde auf unter 10 dezimiert. Entweder hatten die Kinder sie abgenommen und davongetragen oder zerplatzen lassen. Die Kinder und Jugendlichen freuten sich über eine Abwechslung und genossen den Spass auf dem Eis. Drei Jugendliche des Stadtviertels stellen wir für die täglich anfallende Arbeit ein. So konnten sie über die harten Wintermonate ihren Lebensunterhalt verdienen. Bis Ende März sind die Temperaturen so eisig, das die Eisbahn betrieben werden konnte. In Ulanbaator, der kältesten Hauptstadt der Welt, kann es bis zu -50 Grad kalt werden. Im Frühjahr war eigentlich geplant eine Spielplatzanlage mit Basketball, Schaukel, Rutsche, Sandkasten und ein Haus mit Billard, Freizeit- und Computerraum zu bauen. Doch es scheiterte bis jetzt an der Finanzierung. Die immer teurer werdenden Materialkosten liessen den Budgetplan stetig steigen. So stiegen z.B. die Preise für Holz innerhalb eines Jahres um das Doppelte. Aber auch schaffte ich mit der Geldsammlung in der Schweiz nicht die gewünschten Resultate. Ich merkte spürbar, was ich vorher eigentlich schon wusste, dass ich keine Heldin im Spenden sammeln bin. Oft mangelte es mir auch an Zeit, da ich Vollzeit arbeitete und seit Mai 2009 Mutter eines Sohnes wurde. Doch ich freue mich über jede Hilfe und Unterstützung die der Verein leisten kann. Man wächst mit der Zeit und den Möglichkeiten und es ist schön Ziele zu verfolgen und Herausforderungen zu haben. Die Homepage zu gestalten und ständig zu aktualisieren, Flyer zu kreieren, neue Menschen kennenzulernen und über die Mongolei zu reden und vieles mehr macht sehr viel Spass. Gerne möchte ich versuchen einen Teil der Finanzierung in der Mongolei selbst zu organisieren. Darum bin ich mit Freunden gerade dabei einen Aupair-Service aufzubauen. So ermöglichen wir Mongolinnen im Ausland (Österreich) Deutsch und Erfahrungen zu lernen und gleichzeitig kommt ein Teil der Gebühren, die die Aupair-Familie entrichtet, hilfsbedürftigen Mongolen zu Gute.
An einem nasskalten Septembertag im Jahre 2009 machte ich mich mit meinen zwei Kollegen Nyamaa und Askar auf den Weg um weitere Familien im Stadtteil Charhat zu besuchen und ihnen Kleidung, Schulmaterial und Mehl zu schenken. Dies ist der erste Schritt, um die Familien und ihre Schicksale kennenzulernen und zu schauen, wie ihnen am Besten geholfen werden kann. Die Sozialarbeiterin des Stadtteils fährt mit uns und zeigt uns wo die Not am Grössten ist. Da ist z.B. die Grossmutter Bondoo, sie lebt mit ihren vier Enkelkindern in einem kleinen Haus. Die Väter der Mädchen, beide Söhne von Bondoo, sind leider verstorben und die Mütter schauen nur ab und zu vorbei. Oder der Vater Laghwa, der mit seinen drei Kindern, zwischen 13 und 20 Jahren alt, in einem zerschlissenen, mit Säcken und sonstigen Stoff- und Kartonresten zusammen gehaltenen Ger wohnt. Auf engstem Raum, in einem kleinen Ger, lebt die Grossmutter Badamhand mit ihrer Tochter und deren vier Kindern zusammen. Es ist erstaunlich wieviele Menschen in einem Ger wohnen können. Das Ger ist Schlaf-, Wohnraum und Küche in einem. Wir lassen die Familien passende Kleidung aussuchen, die ich vorher in Kisten nach Grössen sortiert habe, und sind sicher dass die kleine Hilfe gut ankommt und nötig ist.
Doch wie soll diesen Familien effektiv und gesichert geholfen werden? Ich entschloss mich Patenschaften anzubieten. Ist so die Finanzierung für eine Familie gesichert, kann angefangen werden konkret mit den Familien zu reden und Schritt für Schritt ein Weg in ein gutes, selbstständiges Leben gefunden werden. Bei arbeitsfähigen Jugendlichen und Erwachsenen soll dies durch Ausbildungsfinanzierung und Arbeitsplatzbeschaffung geschehen. So organisiere ich z.B. Auftragsarbeiten für eine Näherin. Sie kann wunderbare Deels, traditionellen mongolischen Mäntel, und Jacken herstellen. Bei einigen der Familien, wie der Grossmutter Bondoo oder dem leukämiekranken Jungen Batro werden die Hilfsleistungen über viele Jahre dauern, bei anderen, wie Softirden, hoffen wir, dass die geleistete Hilfe, nach ihrem Wirtschaftsinstitut-Abschluss soweit reicht, dass die gesamte Familie gut und ohne weiter Hilfe leben kann.
Der mongolische Kindertag ist gekommen. Der 1.06. ist ein Feiertag und die Kinder sind im Mittelpunkt. Ich fahre in den Stadtrandviertel Charhat und schenke den Kindern Springseile, Bücher, Malhefte, Puzzel, Seifenblasen, Bälle, Süssigkeiten, Haargummis für die Mädchen und vieles mehr. Meine Freundin Sabine und ihr Freund Hosoo, sowie Bolozeg begleiten mich. Bolozeg ist ein achtzehnjähriges Waisenkind, die gerade ihren Abiturabschluss gemacht hat. Ich unterstütze sie indem ich ihr ab und zu Gelegenheitsjobs vermittle. Auf dem Weg nach Charhat kommen wir in einen dicken Stau. Alle die ein Auto haben fahren in die Innenstadt zum feiern. Als Zeitvertreib beginnen wir schon einmal allen Kindern in den benachbarten Autos Luftballons zu verschenken. Alle sind begeistert und nehmen freudig das Geschenk an. Die Mongolen sind ein neugieriges, begeisterungsfähiges und lustiges Volk. In Charhat angekommen stellen wir uns einfach auf den Weg und beginnen die Luftballons und Geschenke zu verteilen. Schnell spricht es sich herrum und die Kinder und Erwachsenen kommen aus den Häusern und schauen was da so los ist. Einige bleiben die ganze Zeit über stehen und schauen zu. Ein paar der Kinder stellen sich mehrmals an um mehrere Geschenke zu ergattern. Nicht immer merken wir es und beschenken sie nocheinmal. Nach mehr als einer Stunde haben wir fast 100 Kindern eine Freude gemacht und fahren ein Stück weiter und verteilen vom Auto aus weiter. Winkend ziehen die Kinder mit ihren Gaben davon. Die Schwester eines gerade beschenkten Jungen, kommt uns sogar fast einen Kilometer hinterher gerannt um auch ihr Geschenk zu erhalten. Am Abend sind wir müde und glücklich über die vielen schönen Momente an diesem Tag.
Immer wieder Mongolei heisst es für mich. Aber warum? Ich fühle mich hier zu Hause. Es gefällt mir, dass nicht alles so geordnet ist und es auch mal auf unkonventionell Art und Weise von statten geht. Die Kontraste und Herausforderungen reizen mich und bringen mir viele neue Gedanken und Ideen. Ich fühle mich hier kräftig und finde Wege Menschen zu helfen. Ich habe Freunde fürs Leben gefunden. Ich geniesse die Zeit im Ger, das knisternde Feuer im Herd, der Blick durch das Dachfenster in den klaren Sternenhimmel. Die Sommertage am klaren und erfrischenden Fluss und die Freiheit der Weite und des ungezwungenen Reisens nur mit natürlichen Hindernissen ohne ständige Zäune und Absperrungen.

 

sandra_neitzke(a)gmx.ch

 

Die Stadt Gatschurt, viele meiner Hilfsfamilien leben hier

Gatschurt ist eine Kleinstadt mit umliegenden Dörfern und Siedlungen am östlichsten Rand von Ulanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei.

Sie liegt am Fluss Tuul und grenzt unmittelbar an den Nationalpark Terelj.

In Gatschurt wohnen 1800 Familien, das entspricht 6800 Einwohnern. Davon leben 60 % unter der Armutsgrenze. Die Armutsgrenze in der Mongolei liegt bei einem Familieneinkommen von unter 100 000 Tugrik (ca. 75 sFr). Gatschurt ist eine ländliche Gegend, wo früher viel Landwirtschaft betrieben wurde. Heute stehen viele Landwirtschaftsbetriebe leer und verlassen da. Sonst gibt es keine Industrie und kaum Handwerksbetriebe. Alles richtet sich stark nach der Hauptstadt Ulanbaatar aus.

10 % der Bevölkerung sind Rentner. In 343 Familien leben nur Vater oder Mutter mit ihren Kindern zusammen. Insgesamt 148 Halbwaisen bzw. Waisenkinder leben in Gatschurt. (Stand 2008)

Weitere Informationen und Tipps erhalten Sie auf

www.mongolei.de + Wikipedia Mongolei

Mongolei Dokumentations-Videos: auf YouTube

Aktuelles

in Freiburg (Deutschland) findet vom 3. bis zum 5.2. das Mundolgia Festival statt. Mit dabei der Verein mit einem Infostand und Andreas Hutter mit seinem Mongolei Live Vortrag über die Rentiernomaden.

Infos: www.mundologia.de

Der Abenteurer von Andreas Hutter - Live Reportage in der Schweiz vom  6.01. bis zum 10.02.2012 - Infos unter www.explora.ch

Der Verein ist mit einem Info- und Verkaufsstand dabei!

Paten versenden Geschenke und Briefe an ihre Patenfamilien.

+ NEU +

In Deutschland ist der Förderverein Freundeskreis Mongolei gegründet. Ab sofort können alle in Deutschland lebenden auf ein deutsches Konto einzahlen und beim deutschen Finanzamt gültige Spendenquittungen erhalten.

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